Montag, 12. Januar 2009

Belzebuaba, Heulerhexen und klirrende Kälte

Schäbisch-alemannische Fastnacht (Fasnet) ist das Stichwort, wenn man im süddeutschen Raum derzeit unterwegs ist, oder wie in unserem Fall lebt. Als roig´schmeckte, war mir dieser Brauch immer ein wenig unheimlich und fremd.
Am Wochenende sollten wir nun eines Besseren belehrt werden. Unser ortsansässiger Fasnetverein "Die Belzebuaba" (Wenn ihr auf die Überschrift könnt ihr mehr erfahren) feierte Jubiläum und deswegen fand bei uns ein richtig großer Fasnetsumzug statt. Mehr als 60 Gruppen und mehr als 2000 Mitwirkende. Das konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen. So wurde nach dem Mittag die gesammte Familie in Winterklamotten gesteckt und das ganz kleine in ihren Bollerwagen verfrachtet und eingekuschelt ging es bei, immernoch Minus 6 (gefühlte minus 20) in die Ortsmitte.
Da war schon ein riesiger Menschenauflauf und nachdem wir, für einen Obulus von 4,00 (zur Unterstützung der Vereine) jeder unser Programmheft in Empfang genommen hatten postierten wir uns an eine gut einzusehende Stelle mit den Kids. Die große hatte gleich die Nachbarskinder und eine Schulfreundin gesehen und so war der Platz an den wir auf den kommenden Narrenzug warten, eingenommen.
Wenig später ging es auch los. Mit Peitschen eröffneten die in warmen Fell gehüllten Belzebuaba (Belzebuben, Teufel) den Brauch den Winter zu verjagen.
Mir schoss bei den Masken, als erstes mal meine kleine Einjährige Tochter durch den Kopf, deren Augen in ihrem Bollerwagen nun immer größer wurden. Schon schlimmes ahnend, beugte ich mich zu ihr hinunter. Aber weder eine gräßliche Teufelsmaske, noch die knorpeligen Hexengesichter schienen mein Kind zu beeindrucken. Sie hatte nur Augen für die Leckerlies, die aus dem Himmel hinunterfielen.
Während sie nun mit großen Kulleraugen das Geschehen beobachtete und sich an den wuscheligen Viechern erfreute. Hatte unsere Lydie alle Hände voll zu tun den Kamelle nachzuhechte, ihre Mütze vor den gierigen Narren zu beschützen und abwechseln mit den Zähnen vor Kälte zu bibbern.
Swen und ich wärmten uns zwischenzeitig auch mit Mitbringseln anderer Art der Narren. Half nur leider auch nicht wirklich, um die Zehen wieder aufzutauen.
Beim Zwischenschauen auf unser Prospekt stellten wir nach einen knappen Stunde fest, das noch nicht einmal die Hälfte der Teilnehmer durch war.
Da half nichts mehr, wir mußten wohl, oder übel Mittanzen und Schunkeln.
Es war aber schon sehr sehr interessant. Mama bekam dann noch den Hintern mit einem Hexenbesen versohlt und blaue Farbe schmückte letztendlich meine Stirn. Einer der Narren hinterlies damit seinen Handabdruck auf meinem Gesicht.
Nach mehr als 2 Stunden war dann auch die letzte Heulerhexe an uns vorbei geschlendert und Lydie war zum ersten mal so richtig heiss darauf, nach Hause zu kommen.
Ja ja ist schon eine tolle Sache so eine schwäbisch-alemannische Fasnet.

Kommentare:

Sabine hat gesagt…

yo das war echt sehenswert!
ich bin ja eigentlich westfälischen karneval gewohnt... :)

wir hätten eigentlich ne kanne glühwein mitnehmen sollen!

Icequeen hat gesagt…

Du sagst es. Vor allem haben wir noch eine halbe Kiste daheim von den Weihnachtsbeständen. Können ja ne Weihnachtsbaumverbrennung machen loool mit Glühwein